Bumsfideles Sportfernsehen

27. Januar 2009

Während unsere Ligen faulenzen, kicken die Engländer fleißig weiter. So lässt sich die fußballfreie Zeit prächtig überbrücken. Wie letzten Sonntag, da das DSF FA-Cup-Spiele übertrug. Nun weiß der geneigte Sportfan, dass der Sender ab spät abends gerne mal die Sau sprich Titten raus lässt. Wer also nicht auf aufgespritzte Lippen und Silikonbrüste steht, tut gut daran, ab einer gewissen Uhrzeit schleunigst über den DSF-Kanal drüber zu zappen. Tagsüber, so sollte man denken, ist man auf der sicheren weil zotenfreien Seite. Schon der Kinderchen wegen. Augentechnisch mag das stimmen. Dafür kriegt man an dem Nachmittag mächtig eins auf die Ohren. Zwischen FA-Cup-Liveübertragung und einer Zusammenfassung des Spieles Chelsea gegen Ipswich Town mag man seinen Lauschern nicht trauen: Die vier schärfsten CDs, so frohlockt der Werbeblock, gibt es nun zu kaufen, unter dem Motto „Feiern macht sexy“. Titel-Kostproben gefällig? „Beim Blaskonzert im Wald“ – „“Amore in den Bergen“ – „Im Gras macht’s Spaß“ und last but not least ein Klassiker: „Wer hat den größten, den allerallergrößten?“. Das will ich gar nicht wissen, möchte man den DSF-Machern zurufen. Allein die Neugier um das sportliche Befinden von Ballack trieb uns in die triebhaften DSF-Fänge. Erkenntnis:  Zwei von drei Chelsea-Toren hat unser Holz-Michl rein gemacht. Es geht ihm also gut. Dem DSF offensichtlich auch – und zwar zu gut.

Immer drauf auf die Mutter

4. Dezember 2008

 

tv-zimmer-purWas war das wieder ernüchternd: Berlin verzockt vor heimisch-türkischer Kulisse, und Schalke rennt vergeblich gegen Twente Enschede an („Enschede, Twente Enschede! Das darf doch nicht wahr sein!“ stöhnt der Schalker Fan neben mir auf dem Barhocker und muss den vor Fußballkummer schweren Schädel mit beiden Händen abstützen- wohlwissend um den Niveauverlust, der diesem 2:1 innewohnt.)

UEFA-Cup Gucken, aus deutscher Sicht ist das hart, aber für uns Manager Pflichtprogramm. Schwarzbrot statt Kuchen. So sieht das nämlich aus, da machen wir uns nix vor. Unzählige Rumpelkicks gegen unaussprechliche Gegner haben wir uns schon reingezogen. Die Rufe nach mehr Biss und Pressing im deutschen Spiel („Immer drauf auf die Mutter!“ „Warum geht denn da keiner rrrannnn!“) verhallen meist ungehört. Doch den Cup der Verlierer muss schauen, wer die Form seiner Spieler stets im Blick haben will.

Gerade mal zwei Manager fanden nun gestern den abendlichen Weg in unser Kneipen Fußball-Fernseh-Zimmer (das heißt so und hält, was es verspricht) – der Dreh-, Angel- und Treffpunkt für geballten Fußballsachverstand. Ein Manager, der normalerweise nichts auslässt und sich mit Fug und Recht mit zu den beklopptesten Fußballfans weltweit zählen darf (in einer Reihe mit dem Wirt), ließ sich grad mal zur zweiten Hälfte blicken. Und Werder Bremen, sagt er, schau ich mir international sowieso nicht mehr an. Aus, vorbei, da ist er stur. Stellt sich jedoch die Frage, welcher vernünftige Mensch derzeit S04 sehen will.

Genau, und deshalb übertrug die ARD ja auch Hertha gegen Galatasaray, das nach fünf Pils und zwei Ouzo so viel leichter über die Lippen geht. Die Zeit bis zur heiß ersehnten Zusammenfassung überbrückten wir damit, dies zu testen. Das war mäßig lustig, und dann hatte es sich eh ausgekichert: Pander außer Form, Bordon verletzt, Farfan trifft wieder nicht, Jones naja, Höwedes weiß man noch nicht so genau, nächste Saison, klar, aber wird der noch für die Rückrunde? Einziger Leistungsträger nach wie vor Westermann. Der Rest interessiert uns nicht, weil nicht in unseren Teams. Bei den Herthanern überprüfen wir einzig den Zustand Patrick Eberts, und der wird in der zweiten Halbzeit ausgewechselt. Na toll. So war das. Tja. Obwohl. Eigentlich wie immer.

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