Die Geschichte vom roten Brustring – ohne Worte
18. August 2009
Das sind Moritz, 9, und Felix, 10, beides große Fußballfans. Entsprechend ist die Freude am vergangenen Samstag auf den seltenen Besuch im Stadion. Selbstverständlich streifen sie sich zu diesem Anlass die Trikots ihres Teams über. Die Reise von Weilen unter der Risse nach Stuttgart verläuft ohne Zwischenfälle, das Wetter ist herrlich, die Stimmung prächtig. Die kippt schnell und unerwartet, kurz vor dem Ziel: Am Einlass entdeckt das wache Auge eines Ordners die Buben in der Warteschlange. Er zeigt auf sie, ruft laut und bestimmt aus: Nein, also mit den Trikots dürfen die auf keinen Fall da rein. Es folgt ein Stimmen-Durcheinander. Die Buben verstehen die Welt nicht mehr, ringen tapfer um Fassung und bangen um Stadionbesuch und Shirt. Die Mutter beruhigt die verstörten Knirpse, der Ordner bleibt hart. Um was geht es hier eigentlich? Die Tickets, ein Geburtstagsgeschenk, sind für den gegnerischen Block, und dort ist das Tragen von Trikots der Heimmannschaft nicht gestattet, so die Regel. Das könnte provozieren und zu Ausschreitungen führen. Da stehen sie nun, die Buben aus Weilen unter der Risse, die Augen groß, den Tränen nah. Die umsichtige Mama rettet die Situation: Sie zieht den Jungs die Trikots einfach verkehrt herum an. Der Ordner lässt sie passieren. Am Ende sitzen sie auf ihren Plätzen, mit anonymem rotem Brustring, aber trotzdem ist es noch ein schöner Fußballtag.
Wir zeigen grundsätzlich Verständnis für den etwas bärbeißigen Ordner, der nur seinen Anweisungen folgt, fragen uns aber trotzdem: Geht es nicht mit etwas mehr Fingerspitzengefühl? Gibt es eine (sinnvolle) Altersbegrenzung für solche Fälle? Und falls nein… man stelle sich folgende Szene vor: ein Papa mit einem Fanbaby in den Vereinsfarben des Heimclubs auf den Armen (ja, sowas gibt es). Er steht am Einlass zum gegenerischen Fanblock. Der Ordner stürzt sich auf ihn und schreit: Mit diesem Baby, auf keinen Fall!
Rumpliger Start
18. August 2009
Nach der langen Pause voll auf turkey gönnten wir uns beim BaWü-Derby in Stuttgart ein Näschen voll
BL-Luft. Das Stadion – eine eigenartige Baustelle: Über die Baumwipfel lugt ein Ufo namens Daimlermuseum aufs Spielfeld. Tun sich in unseren Teams auch schon Baustellen auf? Ein rumpliger Start war das jedenfalls in die neue Managersaison. Die Spielersichtung im Daimlerstadion hat ergeben: Es läuft noch nicht rund zwischen Popo, Cacau und Hleb. Khedira tat sich ebenfalls schwer. Das schlug sich in unseren Wertungen nieder. Wie auch die desolate Leistung des BVB gegen den HSV. Glückspilze hingegen jene, die Urgestein Ze Roberto im Mittelfeld haben. Und mal ehrlich, wer hatte schon Farfan auf der Rechnung? In unserer Liga nur eines von zehn Teams. Aber Gemach, die Show hat gerade erst begonnen.
Punkte am 2. Spieltag 26,5
Punkte vorheriger Spieltag 22,3
Platzierung am 2. Spt. 9831
Platzierung vorheriger Spieltag 8882
Gesamtpunkte nach dem 2. Spieltag 48,8
Gesamtplatzierung nach dem 2. Spt. 9579
Und sie klatschen trotzdem
10. August 2009
Auf www.direkter-freistoss.de haben wir dieses Doppelpass-Kleinod gefunden. Und da wir uns gestern dem Fußballfachtempel widmeten, schieben wir doch gerne noch das wunderbare Filmchen nach…
Doppelpass: Gesprochen ist gesprochen
9. August 2009
Manchmal tun Menschen Dinge, die mit gesundem Verstand nicht mehr fassbar und auf extreme Umstände zurückzuführen sind: Da hat jemand im Affekt gehandelt, im Vollrausch ergo unzurechnungsfähig zugeschlagen oder unter der Höhen- oder Taucherkrankheit gelitten. In ähnlich instabilem Zustand befinden sich wohl Geist und Körper eines Fans nach der Bundesligapause: Anders ist nicht zu erklären, dass man sich bei herrlichstem Wetter aufs Sofa knallt, um sich zwei Stunden DSF-Doppelpass reinzuziehen.
Heute griff die Expertenrunde wieder ins Geschehen ein, und wären Felix Magath und Manni Breuckmann nicht gewesen, wer weiß, ob wir uns dann nicht endgültig weil voller Grauen abgewandt hätten: von einer überholten Trainerlegende (will der nicht mal weg?) und einem nach Klischees gierenden Moderator (war der nicht mal weg?).
So befragt also Manni- Sie, obwohl oder vielleicht gerade weil sein Herz für die Knappen schlägt in etwas kritisch-skeptischem Ton, den Felix-Sie zu seinen neuen Schützlingen und deren technischem, taktischem und konditionellem Vermögen. Während Wonti ungeniert in die unterste Schublade der Fußball-Klamottenkiste greift und ungestraft fragen darf, ob es denn stimme, dass nun auch auf Schalke Spieler im Training kotzen? Wir winden uns vor Schmerzen, denn zum billionsten Mal das Quälix-Image zu bemühen, ist des Doppelpass-Zuschauers wahre Folter.
Ebenfalls das in Teilen ärmliche Sportberichterstatter-Niveau entlarvend der Fakt, dass der Schalker Trainer erklären muss, warum der grippekranke Farfan in den Gazetten fälschlicherweise als Trunkenbold endete. Und das alles, weil Felix-Sie Sportjournalisten gegenüber von “Bierrunde” gesprochen hatte. Ja, hat er da nicht selbst schuld? Die meisten der journalistischen Fachleute beschäftigen sich jahrein, jahraus mit nichts anderem als Fußball. Keiner kennt die Gepflogenheiten in diesem Umfeld besser, weshalb wir ihnen unterstellen, dass sie sehr genau wissen, was Felix Magath mit “Bierrunde” meint: nämlich die exzessfreie Zusammenkunft der Spieler am Vorabend einer Partie, zur Förderung des Teamgeistes. Doch wie formulierte es Herr Straten von der BILD: Gesprochen ist gesprochen. Tja, so einfach ist das. Dafür gab es nicht mal Futter für das Phrasenschwein. Wahrscheinlich, well es dann hätte kotzen müssen.
Kick it like Ehgner Eck: Top Ten im Visier
7. August 2009
Noch eine gute Stunde, dann rollt die Pille wieder. Als der Bundesliga-Kicker raus kam, waren wir schon längst im Training, ohne Lager, weil wir meinen: Im gewohnten Umfeld kommt man am besten in Schuss. Und außerdem ist es dann immer so eine Sache mit den Frauen: Dürfen die zu Besuch kommen, mit übernachten und so, oder tilt dann der Teamchef wieder, weil wir Gefahr laufen, so kurz vor der Saison nicht mehr voll im Saft zu stehen? Also haben wir uns in alter Tradition im Ehgner Eck-Fernsehzimmer vorbereitet. Bei Pils, Weizen und Ouzo. Keine Umstellung beim Getränkedoping. Größte Probleme bereitet jedoch der Sturm. Dzeko, Grafite, Gomez, alle schweineteuer. Ansonsten sind Lieblinge schnell ausgemacht: Wir setzen geschlossen auf Gündogan, Kaplan und Schürrle. Wie auch weitere 190.000 Manager. Unterschiedliche Taktiken sind innerhalb unserer Liga zugelassen. So setzt der eine auf ein Abwehrbollwerk aus Westermann, Schäfer, Subotic und Tasci, sein Managerkollege hingegen füllt hinten mit 1,0er auf und setzt vorne auf Dzeko und Ibisevic. Und dann all die Neuen, im Kickerforum Wundertüten genannt. Viel unbekanntes südamerikanisches Spielermaterial bereitet gerade im Angriff Kopfzerbrechen. Wird ein Barrios die Dortmunder mit vielen Toren beglücken? Ist ein Spieler mit dem Namen Marcelo Moreno nicht schon aus lautmalerischen Gründen zu fußballerischem Startum verdammt? Und kann Popo beim VfB den Mario vergessen machen? Wir taten uns schwer; wie sich nach Rundenstart herausstellte, vertraut nun – zumindest für die Vorrunde – ein Großteil dem BVB-Weltstürmer. gerne in Kombination mit Kießling, damit man wenigstens bei einem weiß, was man hat.
Unsere Managerrunde wird nach wie vor von Bayernanhängern dominiert. Doch es gibt ein Team im Team, dass konsequent auf die Regel setzt: alles bloß keine Mir-San-Mir-Mentalos. Adios also Baumjohann, Du warst mir ein treuer Punktelieferant, aber trägst nun leider das falsche Trikot. Adieu Gomez, die Zeit mit Dir war schön. Und auch Du, talentierter und günstig zu habender Badstuber, musst Deinen Weg in einem anderen Team machen. Das ist jedoch nur eine von vielen Sichten auf die Dinge. Auf eine können wir zehn Coaches uns einigen: Endlich, endlich hat das Warten ein Ende.